Confluence 2008 in Pittsburgh

Sonntag

Der nächste Morgen sollte schon unser letzter auf dieser Convention sein – warum müssen Cons immer viel zu schnell vorübergehen? Wir packten unsere Sachen und räumten das Hotelzimmer, ließen unser Gepäck und die Instrumente unten an der Rezeption einschließen, und versuchten, noch soviel Leute und Filk und Programm wie möglich mitzunehmen, bevor alles vorüber war – und ohne zu verhungern, natürlich. Kjenjo und Silva wollten nicht nochmal im Diner gegenüber frühstücken, die Kalorienbomben vom Vortag hatten ihnen gereicht, aber ich liebäugelte mit vanillecremegefüllten Bananen-Pekanuss-Pfannkuchen, und so verabredete ich mich zum Frühstück mit den Sassafrass-Sängerinnen (die mein wissenschaftliches Interesse, so viel fremdländisches Frühstückszeug wie möglich zu essen, verstanden und mich alle von ihren Tellern probieren ließen).

Zuvor gab es aber noch die letzten Programmpunkte für uns: Wir wollten die Stone Dragons nicht verpassen, denn hinter diesem Namen verbergen sich niemand anderes als Tom und Sue Jeffers! Sie waren kurzfristig eingesprungen und hatten den Konzertspot eines anderen Filkers, der absagen musste, übernommen, und dafür war ich ihnen sehr dankbar. Tom ist ein grandioser Gitarrist, wie jeder weiß, der ihn im vergangenen Jahr mit Dandelion Wine auf der Filkcontinentalbühne sehen konnte, und Sue singt mit einer sehr angenehmen Altstimme – ihr Spot war leider nur eine halbe Stunde lang, aber in der Zeit ließen sie, unterstützt von der wie immer phantastischen Judi Miller, mich erst vor Lachen am Boden kringeln mit einem Lied über zwei Rednecks, die Kornkreise fabrizieren (den Anblick von Judi, die sich vor Freude die Hände reibt und unsichtbare Kreise in den Boden stampft, werde ich so schnell nicht vergessen) und kurz danach die ersten Tränen der ganzen Convention vergießen bei einem todtraurigen Lied über Medusa.

Die an- und abschließenden beiden Spots, ein Filker namens Maugorn, der sehr gut Banjo und Gitarre spielt, aber bevorzugt unendlich lange Lieder singt, und Marty Coady Fabish, die noch eine Stunde lang acapella sang, litten für mich unter meinem wachsenden Hunger und der immer stärker um sich greifenden Kälte im Filkerkeller – ich merkte, dass ich in dieser Nacht deutlich zu wenig Schlaf bekommen hatte, die ein, zwei Stündchen im Filkzirkel waren dann doch eher drei oder mehr), und ich war froh, dann endlich ins Warme und zum Frühstücken zu kommen.

Und dann war es vorbei. Ich sagte allen Lebwohl, bedankte mich bei Randy und den anderen Concom-Mitgliedern, drückte Silva und Kjenjo zum Abschied – ihre Reise sollte sie noch drei Wochen weiter durch Nordamerika führen – versicherte Sassafrass, dass sie wirklich unbedingt nach Deutschland zu kommen hätten, löste mein Gepäck an der Rezeption aus, und stieg mit Tom und Sue ins Auto. Raus aus Pittsburgh. Auf nach Toronto. Vier, fünf Stunden über Land, mit einem Abstecher zu den Niagarafällen und kurzem Nervenflattern am Grenzübergang, als ich aus den USA ausreiste und nach Kanada ein, mit dem Kuhspiel und der kurzweiligsten langen Autofahrt meines Lebens. Phantastische Tage in Toronto, die so schnell vorüber gingen und doch mit soviel Abenteuer und Musik gefüllt waren, dass ich noch jahrelang davon zehren kann, nette Leute, Wiedersehen mit Jodie Krangle und Judith Hayman, neue Freunde, die mich am liebsten gleich dabehalten hätten – aber das ist eine andere Geschichte, und die will ein andermal erzählt werden.