Ich liebte diesen Rebstock schon seit Jahren
Hab Trauben nie, noch Blüten dran gesehn
Und wenn auch nie niemals Blätter an ihm waren
Ließ ich ihn doch stets in meinem Garten stehn.
Und hegte ihn, und hoffte, bangte, flehte
Daß er für mich in Blatt und Trauben stand:
Und hoffte, wenn der Frühlingswind sich drehte
Und weinte, wenn der Herbst ging über Land.
O blüh für mich du schönste aller Reben
Ich will dir meine ganze Liebe geben
Für einen Schluck von deinem süßen Wein
Ließ ich wohl alles Gold der Erde sein.
Dann eines Tages stand sie auf der Schwelle
Mit weinlaubrotem Haar und Blick voll Glück
Gewann sie doch mein Herz gleich auf der Stelle
Und blieb bei mir, und liebte mich zurück.
In diesem Sommer durft der Rebstock treiben
Er blühte, er trug Laub und Trauben fein
Ich wünschte mir, sie würde ewig bleiben:
Doch wie sollt erst der Kuß der Beeren sein?
O blüh für mich du schönste aller Reben
Ich will dir meine ganze Liebe geben
Für einen Schluck von deinem süßen Wein
Ließ ich wohl alles Gold der Erde sein.
»Mein Liebster, pflücke niemals meine Trauben!
Wenn du nur eine anrührst, bin ich fort.«
Ich wollte diesen Warnungen nicht glauben:
Ich liebte sie, doch gab nichts auf ihr Wort.… Weiterlesen
